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Auch Helfer brauchen Hilfe - Vortragsabend bei der Rotkreuzgemeinschaft

Augustdorf, 13.10.2011, Quelle: Lippische Landeszeitung

Das Kürzel PTBS für Posttraumatische Belastungsstörungen ist durch die Bundeswehreinsätze im Ausland bekannter geworden. Aber nicht nur beim Militär sind besondere Belastungen ein Thema.

Auch Feuerwehrleute und Rettungskräfte können durch ein traumatisches Geschehen in die Gefahr geraten, die gesehenen Bilder nicht mehr loszuwerden. Gut 50 Angehörige des DRK Augustdorf, der Feuerwehr, der DLRG, Bundeswehrreservisten und Mitarbeiter der Bundespolizei haben sich deshalb am Donnerstagabend mit dem Thema Einsatz, Stress und PTBS beschäftigt.

Rotkreuzleiter Maik Messing hatte dafür als Referenten Dr. Matthias Witt-Brummermann und Pfarrer Dietmar Leweke eingeladen. Dr. Witt-Brummermann ist Notfallseelsorger, Psychologe und beschäftigt sich auch als Reservist der Bundeswehr mit Posttraumatischen Belastungsstörungen. Leweke unterstützt die Augustdorfer Feuerwehr als "Fachberater Seelsorge". Ihr Ziel war, die Einsatzkräfte und Helfer im Sinne der Vorbeugung auf dieses Problemfeld aufmerksam zu machen und das Bewußtsein dafür zu schärfen.

Denn bei den einzelnen Organisationen, der Bundeswehr oder der Polizei, aber auch darüber hinaus gebe es durchaus Hilfsstrukturen. Aber längst nicht jeder Betroffene sei bereit, Hilfe einzufordern und anzunehmen, sagte Witt-Brummermann. Mal sei es die Sorge um die Karriere in der Organisation oder um das Bild, das man anderen von sich selbst liefere. "Im ehrenamtlichen Bereich tun sich vor allem jüngere Einsatzkräfte schwer, von Problemen zu sprechen", sagte Maik Messing.

Neben den gesundheitlichen Folgen könne eine nicht behandelte Störung auch dazu fhren, dass dann möglicherweise eine Bagatele im nächsten Einsatz als Auslöser reiche, um das eigene professionelle Handeln zu lähmen, sagte Witt-Brummermann. Oder aber, dass Helfer ihrem ehrenamtlichen Engagement gleich ganz den Rücken kehrten, ergänzte Messing.

Gerade Ehrenamtliche müssten zusätzlich noch damit zurecht kommen, dass im zivilen Umfeld oft nur wenig Verständnis aufgebracht werde, ganz nach dem Motto: "Du machst das doch freiwillig." Dr. Witt-Brummermann: "Deshalb ist es wichtig zu informieren: Es gibt PTBS und sie ist behandelbar."

Als Feuerwehr-Seelsorger hilft der Augustdorfer Pfarrer Dietmar Leweke ebenfalls bei der Aufarbeitung belastender Ereignisse und hat eines festgestellt: "Ich habe hohen Respekt vor den Männern und Frauen. Sie können viel, sie tun viel und nehmen dabei auch noch Lebensgefahr auf sich."

13. Oktober 2011 00:00 Uhr. Alter: 218 Tage